Gießwasser aus öffentlichen Gewässern: Erlaubtes und Verbotenes und die Folgen im Blick

Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Wasser ist unser aller Lebenselixier und die Gewässer die Lebensadern unserer Landschaft. Und weil wir alle auf das Wasser und das Gewässer angewiesen sind, muss der Umgang damit achtsam sein. Doch das ist leider nicht immer der Fall. Gerade kürzlich wurden in Edenkoben Pumpen entdeckt, die im großen Stil Wasser zum anschließenden Gießen aus dem Triefenbach pumpten.

Sommerzeit ist Gartenzeit: Blumen blühen, Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten reift heran. Damit sich der Gärtner an seiner Saat erfreuen kann und der Rasen auch schön grün leuchtet, braucht es Gießwasser. Bürgerinnen und Bürger, deren Anwesen an Bächen liegen, nutzen öffentliche Gewässer, um ihre Gärten zu gießen. Solange genug Wasser in den Gewässern vorhanden ist, ist das mit Eimern oder Gießkannen auch erlaubt. Auch Regenwasser darf gesammelt werden, um den Garten zu bewässern.

Wie wichtig es ist, unsere Gewässer zu schützen und die ökologische Funktion bei der Gewässerentnahme nicht zu beeinträchtigen – auf diese Frage haben Bürgermeister Olaf Gouasé und Bernhard Bäcker, im Fachbereich Bauen und Umwelt zuständig für Natur, Umwelt und Gewässer, Antworten.

Ein bisschen Gießwasser aus dem angrenzenden Bach für Tomaten, Paprika, den Salat und die Blumen – das kann doch einem Bach wirklich nicht schaden, oder doch?
Jeder Gewässeranlieger sollte sich selbst darüber bewusst werden, dass das entnommene Wasser dem Bach an dieser Stelle fehlt. Die letzten Sommer waren derart trocken, dass im Prinzip kein Tropfen mehr zur Bewässerung übrig war. Die Bäche wie der Kaltenbach, der Modenbach und der Lachgraben fallen in den Sommermonaten trocken und können so ihre ökologische Funktion nicht mehr ausüben.

Nun waren die vergangenen Sommer heiß, geprägt von großer Hitze und wenig Regen. Was bedeutet so eine Trockenperiode für unsere Bäche in der Verbandsgemeinde Edenkoben?
Der Wasserstand sinkt, die Temperatur erhöht sich und der Sauerstoffgehalt nimmt ab. Die im Gewässer heimische Bachfauna überlebt das Trocken fallen teilweise nicht und fällt in Folge zur Bestimmung der Gewässergüte aus.
Die Möglichkeiten dass sich die Bachfauna erholt sind gering bis kaum vorhanden. Die heimisch vorkommende Arten fehlen und müssen durch neu einwandernde Bachlebewesen ersetzt werden. Das dauert immer eine lange Zeit bis sich so ein Gewässer nur annähernd wieder erholen kann. Eine weitere Folge: Die Verbandsgemeinde kann unter Umständen die Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie 2027 nicht erfüllen und Strafzahlungen drohen.

Und wann sind die Grenzen der Entnahme von Gießwasser für die Gartenbesitzer erreicht?
Das ist dann klar daran zu erkennen, wenn der Rand einer Gießkanne im normalen flachen Bachbett nicht mehr unter Wasser getaucht werden kann. Die Verbandsgemeindeverwaltung Edenkoben behält sich vor bei weiter anhaltenden trockenen Sommermonaten auch ein Schöpfverbot auszusprechen.

Wasser mit einer Pumpe aus dem Gewässer zu entnehmen ist verboten. Warum?
Die Pumpen ermöglichen die Entnahme großer Mengen Wasser in kurzer Zeit und sind daher nicht gestattet. Es ist definitiv verboten, sich an diesem Wasser zu bereichern.
Die Verbandsgemeindeverwaltung kontrolliert die Gewässer auf illegale Wasserentnahmen, sollten Anlagen zur Entnahme entdeckt werden, werden diese ausgebaut und dem Verursacher in Rechnung gestellt. Weiterhin ist denkbar, beobachtete Daten zunächst zu sammeln, um dann entsprechend gegen die Illegale Entnahme vorzugehen. Eine Rückrechnung des Wasserzinses ist hier eine denkbare Möglichkeit, die Förderleistungen der Pumpen sind sehr gut darstellbar.

Um leichter an das Wasser für die Gießkanne zu kommen, könnte ja Wasser aufgestaut, Treppen gebaut oder das Gewässer mit Brücken überbaut werden. Warum ist auch das nicht erlaubt?
Das Aufstauen stellt ein Wanderungshindernis für die Bachlebensgemeinschaft dar, es entstehen Bereiche die nicht überwunden werden können. Das Makrozoobenthos und andere Lebewesen wie Fische wandern auch Bachaufwärts. Diese Wanderungen und damit der genetische Austausch werden verhindert, gegebenenfalls kommen Fische nicht zu ihren Laichplätzen.
Es ist verboten die Uferbereiche der Gewässer eben mit Verbauungen wie Treppen zu verändern. Dies Flächen stehen meist im Eigentum der Ortsgemeinde bzw. der Verbandsgemeinde und es bedarf einer Baugenehmigung.
Brücken dürfen ebenso nur nach vorheriger Genehmigung errichtet werden, Brücken die ohne Genehmigung errichtet werden, stellen wo möglich ein Hindernis bei Starkregenereignissen dar und stauen gegebenenfalls den Bach auf. Dies kann in der Folge zu Überschwemmungen und vollgelaufenen Kellern führen.

Oberflächengewässer natürlichen Ursprungs zu unterhalten - das ist eine Pflichtaufgabe der Verbandsgemeinde Edenkoben. Nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie sind das die „Gewässer III. Ordnung“. Insgesamt 148 Kilometer Gewässer III. Ordnung verlaufen mit ihren Gräben - Leiselgraben, Lachgraben und Waldgraben - durch die Verbandsgemeinde Edenkoben.

Text: Bernhard Bäcker, Ivonne Trauth

Die korrekte und vollständige Funktion unserer Dienste setzt Cookies voraus. Mit einem Klick auf die Schaltfläche [OK] willigen Sie ein, dass unsere Internetdomäne Cookies verwendet.